Was tun gegen Lampenfieber?

Lampenfieber

Lampenfieber beschreibt die Nervosität, Anspannung und den Stress eines Menschen vor oder zu Anfang eines Auftrittes vor Publikum. Dabei versteht man unter Lampenfieber klassischer Weise die Aufregung, die vor allem Künstler vor ihren Darbietungen empfinden (engl.: stage fright – Bühnenangst). In diesem Sinne hängen Mikrofon- und Kameraangst eng mit Lampenfieber zusammen. Aber auch Redner und Sportler beispielsweise können darunter leiden. Generell jeder mehr oder weniger öffentliche Auftritt kann Lampenfieber erzeugen. Lampenfieber ist akutem Stress gleichzusetzen. Während dieser in der Psychologie fest definiert ist, ist Lampenfieber kein einheitlicher Fachbegriff. Es zeigt die gleichen Symptome, die auch von akutem Stress hervorgerufen werden: Herzklopfen, Zittern, Erröten, Anspannung, Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit, Reizbarkeit sowie körperliche und emotionale Beklemmung. Nach den Darlegungen des Pianisten und Musiktheoretikers Charles Rosen äußert es sich ähnlich wie Verliebtheit. In der Tradition wird es jedoch eher dem Kanonenfieber zugeordnet, der Angespanntheit von Soldaten angesichts einer Gefahr.

Die Symptome von Lampenfieber resultieren aus der erhöhten Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin in den Nebennieren. Dieser Mechanismus datiert noch aus der prähistorischen Zeit. Er hatte damals eine überlebenswichtige Funktion, denn er bereitete den Organismus auf Kampf oder Flucht vor.

Lampenfieber ist prinzipiell die Angst vor öffentlichem Versagen, sei es vor dem Publikum, vor Kritikern oder vor sich selbst. Das Bewusstsein darüber, welche Auswirkungen das soziale oder professionelle Urteil für die eigene Person hat, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Kinder entwickeln dieses Bewusstsein in der Regel erst im Alter von neun bis zehn Jahren, weshalb jüngere Kinder meistens noch kein Lampenfieber kennen.

Im Gegensatz zum englischen stage fright hat der deutsche Begriff Lampenfieber durchaus auch positive Konnotation. Er wird nicht grundsätzlich mit lähmender Angst gleichgesetzt, sondern auch mit aufputschender Aufregung, welche die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit erhöht. Wissenschaftlich belegt ist letztere Annahme allerdings nicht. Tatsächlich legen erste Studien nahe, dass Musiker, die Betablocker zur Bekämpfung des Lampenfiebers einsetzen, anschließend eine technisch bessere und auch ausdrucksstärkere Vorstellung liefern.

Konsequenzen von Lampenfieber können sein: ein trockener Mund und Rachen, was besonders Redner, Schauspieler und Sänger bei ihrer Darbietung beeinträchtigt ebenso wie Konzentrationsschwächen und Textvergesslichkeit. Eine Einschränkung der Feinmotorik und Sensorik trifft vor allem Instrumentalmusiker und Schauspieler (Gesichtsmuskulatur zur ausdrucksstarken Mimik).

Im ungünstigsten Fall kann Lampenfieber chronisch werden. Dann wird die Angst vor Versagen zur Angst vor der Angst. Dies kann sogar Panikattacken zur Folge haben. Betroffene rufen sich dann eher Misserfolge ins Gedächtnis, statt sich durch erlebte Erfolge zu beruhigen. Begünstigt wird diese Art des chronischen Lampenfiebers besonders bei Berufskünstlern durch die oft schwierige Arbeitsmarktsituation. Speziell auf Instrumentalisten scheint dies eine starke Auswirkung zu haben. Ihr Spiel ist besonders beeinflussbar durch Stress. Zudem haben sie nicht die Möglichkeit, den Adrenalinausstoß durch grobmotorische Bewegung ausgleichen zu können, wie z. B. Sanger oder Tänzer.

Ein wirkliches Mittel gegen Lampenfieber gibt es bisher nicht, daher sind Alkohol-, Beruhigungsmittel- und Betablockermissbrauch nicht ungewöhnlich bei Personen, die oft öffentliche Auftritte absolvieren müssen. Muskeldehnungs-, Entspannungs und Atemübungen hingegen werden positive Wirkungen zugeschrieben. Oft hilft auch ein festgelegtes Ritual vor dem Auftritt oder Autosuggestion, indem positive Erfahrungen intensiv visualisiert werden. Auch größtmögliche Routine während der Darstellung und individuelle Strategien und Techniken, die durch ein entsprechendes Training erlernt werden können, unterstützen das Bekämpfen von Lampenfieber. Die Wirkung von Adrenalin hält nur kurz an, deshalb empfiehlt es sich zudem, die Vorstellung weitgehend hinauszuzögern, sobald man die Bühne betreten hat. So hat man Zeit, sich wieder zu sammeln und zu beruhigen. Dies ist auch ein Grund, warum Menschen, die unter Lampenfieber leiden, meist längere Auftritte besser meistern können als kurze. Deshalb sollten besonders anspruchsvolle Darbietungen immer am Ende des Auftritts stattfinden.

2010 hat das Universitätsklinikum Bonn eine Lampenfieber-Ambulanz eingerichtet, in der speziell Musiker darin unterstützen, übersteigertes Lampenfieber unter Kontrolle zu bringen. Lampenfieber ist als keine Fieberkrankheit im herkömmlichen Sinne aber es kann Menschen durchaus beeinträchtigen.

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