Das Q Fieber ist eine in Deutschland meldepflichtige Zoonose

Das Q-Fieber ist in Deutschland meldepflichtig (Quelle: Bigstock-ID-18332141-by-kaprizka)

Das Q Fieber hat viele Bezeichnungen. Es ist bekannt unter Ziegengrippe, Balkangrippe, Schlachthausfieber oder Queensland-Fieber. Der Name Ziegengrippe besagt bereits, dass es sich um eine Krankheit bei Tieren handelt. Allerdings ist diese auch auf den Menschen übertragbar. Die beim Menschen als grippeähnlich wahrgenommenen Symptome werden durch ein Bakterium hervorgerufen. Entsprechend Infektionsschutzgesetz ist das Q Fieber in Deutschland meldepflichtig.

Die Ursache ist ein Bakterium

Der gerne gebräuchliche Name Ziegengrippe führt ein wenig in die Irre. Der Erreger des Q Fiebers ist keineswegs ein Virus, wie es der Name vermuten ließe. Hervorgerufen wird das Fieber dagegen vom Bakterium Coxiella burnetii. Es handelt sich dabei um ein gramnegatives kurzes Stäbchenbakterium. Der Erreger ist weltweit verbreitet. Ausnahmen bilden Neuseeland und die Antarktis. Beim Q Fieber handelt es sich um eine Zoonose. Darunter versteht man Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch aber auch von Mensch zu Tier übertragbar sind. Das Wirtsspektrum von Coxiella burnetii ist breit. In Deutschland sind zumeist Schafe als Träger bekannt, gefolgt von Ziegen, Rindern und Wildwiederkäuern. Aber auch Katzen, Hunde, Kaninchen und Vögel können als Wirte für das Bakterium fungieren. Dabei ist das Bakterium äußerst überlebensfähig und besonders infektiös. Bereits ein einzelnes Bakterium kann die Infektion verursachen.

Der Erreger des Fiebers wird entdeckt

Erstmals wurde die Krankheit vom Australier Edward Holbrook Derrick im Jahr 1937 beschrieben. Sie wurde damals bei Schlachthausarbeitern in Brisbane, Queensland in Australien beobachtet. Nachdem sie als Erkrankung unbekannter Ursache aufgeführt wurde, erhielt sie den Namen Q Fieber. Das Q steht dabei für „query“, was fraglich oder zweifelhaft bedeutet. Noch im selben Jahr wurde das Bakterium von Frank MacFarlane Burnet und Freeman bei einem der Patienten von Holbrook Derrick isoliert. Es wurde als Rickettsia-Spezies identifiziert. Ein Jahr später wurde der Erreger von H.R. Cox und Davis aus Zecken in Montana, USA isoliert. Cox und Davis beschrieben auch den Übertragungsweg und noch im selben Jahr wurde das Bakterium offiziell als Coxiella burnetii anerkannt. Zwischenzeitlich wird das Bakterium nicht mehr als verwandter Stamm der Rickettsien angesehen.

Unterschiedliche Wege der Übertragung

Die Tiere infizieren sich meist bei der Geburt. In der Gebärmutter oder im Gesäuge der infizierten Mütter finden sich die Erreger und werden auf diesem Weg auf die Jungen übertragen. Der Mensch kann sich bei engem Kontakt zu Tieren direkt anstecken. Besonders neugeborene Tiere sind für Menschen hochinfektiös. Darüber hinaus kommt auch Zecken bei der Übertragung der Krankheit große Bedeutung zu. Die Zecke beißt zunächst ein infiziertes Tier, danach den Menschen. Auf diese Art wird die Krankheit auf den Menschen übertragen. Ein anderer Übertragungsweg besteht darin, dass die Zecke mit dem Kot den Erreger wieder ausscheidet. Durch das Einatmen von Staub, in dem dieser infektiöse Kot enthalten ist, wird der Erreger weiter übertragen. Selten können sich Menschen auch durch kontaminierte Milchprodukte, Fleisch oder Wolle anstecken. Eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch ist durch normalen Kontakt nicht möglich. Blut- oder Knochenmarkspenden können aber dazu führen, dass das Q Fieber direkt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Männer sind vom Q Fieber häufiger betroffen als Frauen. Dies kann allerdings daran liegen, dass gerade potenziell risikoreiche Berufe wie im Schlachthaus oder in der Landwirtschaft zumeist von Männern ausgeführt werden.

Die Symptome ähneln jener der Grippe

Nach erfolgter Infektion müssen nicht zwangsläufig Symptome auftreten. In rund der Hälfte der Fälle bleiben sie völlig aus, manchmal sind sie nur schwach wahrnehmbar. In allen anderen Fällen kommt es nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis drei Wochen zu grippeähnlichen Symptomen. Abrupt einsetzendes Fieber udn damit einhergehende erhöhte Körpertemperatur, starke Kopf- und Muskelschmerzen, Appetitverlust, starke Abgeschlagenheit, trockener Husten, Schüttelfrost und Verwirrtheit sind die klassischen Symptome. Diese können in der Regel bis zu 14 Tage lang bestehen, bevor die Erkrankung spontan ausheilt. Viel seltener kommt es zu Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. In einigen Fällen kann es im Verlauf des Q Fiebers zu einer Lungenentzündung kommen, teilweise auch mit schwerem Verlauf. Leberentzündungen gehören ebenso zu den häufigeren Komplikationen. Diese können sich durch Schmerzen im rechten Oberbauch, Lebervergrößerung und Gelbsucht äußern. Selten werden Entzündungen des Knochenmarks, der Venen sowie Gehirnhautentzündungen beobachtet. Bei schwangeren Frauen, die an der Infektion erkranken, besteht die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt. Nur in einzelnen Fällen entwickelt sich eine chronische Form des Q Fiebers mit Entzündung des Herzbeutels und der Herzinnenräume. Unbehandelt verlaufen diese Entzündungen meist tödlich. Bei rechtzeitiger Behandlung sinkt die Sterblichkeitsrate auf etwa 10 Prozent. Bei Tieren verläuft das Q Fieber zumeist ohne deutliche Anzeichen. Zu beobachten sind Fressunlust sowie Aborte in der späteren Trächtigkeit. Es kann außerdem zu Unfruchtbarkeit und Euterentzündungen kommen.

Diagnose und Prävention

Eine Diagnose der Krankheit ist oft nicht einfach. Diagnostiziert wird Q Fieber im Normalfall anhand der Symptome und der Tatsache, dass Kontakt zu eventuell kontaminierten Tieren bestand oder entsprechende Nahrungsmittel konsumiert wurden. Um einen konkreten Nachweis zu erhalten, bieten sich Laboruntersuchungen an. Dabei werden die gebildeten Antikörper in Blut, Harn oder Gewebe nachgewiesen. Nachdem der Erreger zur Sicherheitsstufe 3 gehört, muss diese Arbeit ein Speziallabor übernehmen. Ist die Erkrankung bestätigt, folgt eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika. Empfohlen werden Tetracycline, Chinolone und Makrolid-Antibiotika, die für etwa zwei bis drei Wochen verabreicht werden. Diese Therapie ist bei der akuten Form des Q Fiebers für gewöhnlich erfolgreich. Eine zweite Therapiemöglichkeit bilden die Malariamittel Hydrochloroquin und Chloramphenicol. Für die chronische Erkrankung wird eine Kombination aus Antibiotika über ein bis vier Jahre empfohlen. Nachdem die Behandlung der chronischen Form sehr schwierig ist, gehört sie in die Hände eines erfahrenen Infektiologen. Personen, die besonders gefährdet sind, wie Tierärzte, Labor- oder Schlachthausmitarbeiter können sich impfen lassen und damit einer Infektion vorbeugen. Auch für Tiere gibt es in einigen Ländern eine Impfung. Vorsorglich empfiehlt es sich, den Umgang mit den tierischen Infektionsquellen zu vermeiden oder auf ein Minimum zu reduzieren. Das Pasteurisieren von Milchprodukten beugt einer Erkrankung an Q Fieber ebenso vor. Eine große Bedeutung bei der Prävention kommt daher der Früherkennung des Q Fiebers bei den Tieren zu. 

 

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