Pontiac-Fieber: Die Krankheit aus dem Wasserhahn

Das Pontiac-Fieber kann dramatische Ausmaße annehmen (Quelle: Bigstock-ID-31176182-by-Eraxion)

Das Pontiac-Fieber (Legionellose) wird durch Bakterien hervorgerufen. In der Regel ist der Verlauf leicht, die Krankheit kann sich aber auch zu einer gefährlichen Lungenentzündung ausweiten. In diesem Fall spricht man von der Legionärskrankheit. Jährlich erkranken in Deutschland zwischen 6.000 und 10.000 Menschen am Pontiac-Fieber.

Wie entstand der Name Legionärskrankheit?

Einige 1.000 Veteranen der US-Armee trafen sich 1976 in einem Hotel in Philadelphia, als plötzlich etwa 200 Teilnehmer an einer untypischen Lungenentzündung erkrankten. 41 der Veteranen kämpfen ums Überleben und 14 von ihnen starben. Amerikanische Zeitschriften prägten den Namen “Legionärskrankheit“, als sie von diesen mysteriösen Vorfällen berichteten, die sich nicht mit Penicillin behandeln ließen. Etwa ein Jahr später entdeckte man den Erreger der Krankheit: Es war das Bakterium Legionella pneumophila. Die von den behaarten, stäbchenförmigen Bakterien ausgelöste Lungenentzündung kann auch heute noch bei zu spätem Behandlungsbeginn oder erhöhtem Risiko tödlich enden.

Wie kann die Krankheit entstehen?

Legionellen findet man auf der ganzen Welt, hauptsächlich in warmem Süßwasser. Von den Bakterien sind bisher 50 Arten bekannt. Überall dort, wo sich Legionellen leicht vermehren können, besteht ein Krankheitsrisiko. Damit sich die Bakterien vermehren können, muss das Wasser zwischen 25 °C und 50 °C warm sein. Sind die Temperaturen höher, sterben sie ab. Legionellen im Süßwasser sind nicht unmittelbar krankheitsauslösend. Benutzt man jedoch mit Legionellen verseuchtes Wasser zum Duschen, in Badewannen und Whirlpools, werden diese durch den dort herrschenden feinen Nebel eingeatmet und es kommt zum Ausbruch der Krankheit. Der Hauptgrund für die Entstehung der Legionärskrankheit sind alte oder schlecht gewartete Rohrleitungen und sanitäre Anlagen sowie veraltete Klimaanlagen. Auch in Deutschland geht man davon aus, dass etwa die Hälfte aller Legionellen-Infektionen auf belastete Rückkühlwerke von Kraftwerken zurückzuführen ist.

Der Krankheitsverlauf bei Pontiac-Fieber

3-10 Tage nach der Ansteckung mit Pontiac-Fieber zeigt sich die Krankheit zunächst mit Kopfschmerzen, Unwohlsein, Gliederschmerzen und einem trockenen Reizhusten. Einige Stunden später wird das Krankheitsbild deutlich dramatischer. Nun hat der Betroffene Schüttelfrost, hohes Fieber und Schmerzen im Brustkorb. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen können dazukommen. Das Krankheitsbild ist nahezu identisch mit einer schweren Lungenentzündung, doch man findet deren üblichen Erreger nicht. Damit die Diagnose offiziell bestätigt werden kann, müssen die Bakterien im Labor nachgewiesen werden. Durch ein spezielles Verfahren im Urin lassen sie die bösartigen Keime feststellen.

Vorbeugung vor dem Pontiac-Fieber

Es existiert keine vorbeugende Impfung gegen Legionellen. Dennoch kann man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, um die Vermehrung der gefährlichen Bakterien zu unterbinden. Legionellen entstehen vor allem in Wasserleitungen, in denen 30-45° warmes Wasser längere Zeit steht. Diese Situation tritt hauptsächlich auf Hotelzimmer zu. Häuser mit veralteten Rohrleitungen sollten daher saniert werden. Bei einer Neuplanung von Leitungen und Trinkwassererwärmungsanlagen müssen grundsätzlich Temperaturen über 55 °C herrschen. Das trifft auf alle Krankenhäuser, öffentlichen Gebäude und Hotels zu. Für Intensivstationen von Krankenhäusern gelten noch strengere Auflagen. Um den Befall mit Legionellen zu vermeiden, gelten auch für kleinere Zahnarztpraxen und Kosmetikstudios, in denen Luftbefeuchter oder Inhalationsgeräte benutzt werden, besondere hygienische Anforderungen.
Ab einer Konzentration von 100 Bakterienkolonien pro 100 ml Wasser besteht nach Verordnung des Gesundheitsamtes dringend Handlungsbedarf. Ein Duschverbot wird erteilt, sobald 10.000 Kolonien pro 100 ml nachgewiesen werden. Häufig infizieren sich Menschen im Urlaub, da die Duschen in manchen Häusern seltener benutzt werden und das Wasser oft mehrere Tage in den Rohren steht. In Urlaubsländern macht es daher Sinn, vor dem Duschen einige Minuten lang warmes Wasser laufen zu lassen und sich währenddessen nicht im Bad aufzuhalten, damit man den Nebel nicht einatmet. Chemikalien und/oder heißes Wasser können Legionellen in den Leitungen abtöten.

Vorbeugende Maßnahmen in Stichworten:

  • stehendes Wasser aus selten benutzten Leitungen meiden
  • im Urlaubshotel heißes Wasser längere Zeit laufen lassen und keinen Wassernebel einatmen
  • bei Bedenken Wasser abkochen
  • auch in kleinen Betrieben Hygienevorschriften dringend einhalten

Für Pontiac-Fieber gefährdete Gruppen

Menschen mit geschwächter Immunabwehr, Ältere, Raucher und chronisch Kranke sind einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt. Auch Diabetiker oder HIV-positive Menschen haben ein stärkeres Risiko, am Pontiac-Fieber zu sterben, wenn es nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser lässt sie sich mit Antibiotika behandeln.

Die Behandlung von Pontiac-Fieber

Wurde Pontiac-Fieber diagnostiziert, wird der Erkrankte ca. zehn Tage mit Antibiotika behandelt. In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Da die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist keine Ansteckungs- bzw. Seuchengefahr gegeben. Dennoch müssen bestätigte Fälle dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Ein Verdacht auf Pontiac-Fieber ist dagegen nicht meldepflichtig.

Die Gefahr des Pontiac-Fiebers ist noch nicht gebannt

Immer wieder kommt es weltweit zu Epidemien mit Legionellen und immer wieder sterben Menschen daran. In Deutschland ereignete sich die letzte Infektionswelle im Winter 2009/2010 in Ulm. Fünf Menschen mussten dabei ihr Leben lassen.

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