Der Fieberschock

DEr Fieberschock tritt häufig bei Kindern auf, kann aber auch für Erwachsene gefährlich werden

Ein Fieberschock ist ein krampfartiger Anfall, der in erster Linie bei rasch ansteigender und hoher Temperatur auftritt. Unter einer Körpertemperatur von 38 bis 39 Grad ist ein Auftreten äußerst selten. Kennzeichnend für einen Fieberschock ist die gepresste Atmung, was eine blasse oder gar bläuliche Verfärbung von Haut und Lippen nach sich zieht, und verschiedenartige Krampfanfälle. Abhängig von den exakten Symptomen unterscheiden Mediziner zwischen einem einfachen und dem komplexen Fieberschock.

Die Betroffenen

Von einem Fieberschock sind fast ausschließlich Kinder betroffen. Die meisten Fälle ereignen sich zwischen dem vierzehnten und achtzehnten Lebensmonat. Vor dem neunten Monat bzw. nach dem 5. Lebensjahr kommen die Anfälle nur noch sehr selten vor. Untersuchungen zufolge durchlebten rund 4 % aller Kinder schon mindestens einen Fieberschock, bei der Hälfte aller Betroffenen kam es zu mehr als nur einem Anfall.
Wenn die Symptomatik auch bei Erwachsenen auftritt, so ist dies äußerst selten und passiert nur, wenn eine schwerwiegende Grunderkrankung – beispielsweise Epilepsie – vorliegt.

Was unterscheid den einfachen von einem komplexen Fieberschock?

  • Der einfache Schock verläuft in der Regel unkompliziert und heilt ohne Spätfolgen aus. Es kommt zu einem generalisierten Krampfanfall, bei dem der ganze Körper betroffen ist: Verdrehte Augen und versteifte, zuckende Arme und Beine sind die Leitsymptome. Bei einigen Patienten kann es auch zur Bewusstlosigkeit kommen. Die Anfälle dauern in der Regel nur wenige Minuten, maximal eine Viertelstunde; danach ist das Kind auffallend müde und befindet sich oftmals in einem Dämmerzustand.
  • Bei einem komplexen Schock betrifft die Krampfsymptomatik nicht den ganzen Körper, sondern tritt herdartig auf. Anfälle dieser Art dauern länger (mindestens 15 Minuten) oder treten innerhalb von 24 Stunden vermehrt auf. Nach einem Anfall zeigt das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit neurologische Symptome, vorwiegend Lähmungserscheinungen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn in der Familie eine Epilepsie Erkrankung bekannt ist; in rund vier von hundert Fällen ist ein komplizierter Schock ein verlässlicher Hinweis für eine spätere Epilepsie.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einem Fieberschock eine spätere Epilepsie entwickelt?

Die Wahrscheinlichkeit für eine Epilepsie ist vor allem von zwei Faktoren abhängig: Erstens, ob es im näheren familiären Umfeld bereits Epileptiker gibt und zweitens, zu welchem Zeitpunkt das Kind den (komplexen) Fieberschock erlitten hat. Anfälle, die bereits sehr früh auftreten – das heißt, vor dem neunten Lebensmonat – gehen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Epilepsie einher.

Wodurch wird ein Fieberschock verursacht?

Meist sind es nur unscheinbare Infekte, die einen Schock nach sich ziehen. Studien zufolge sind die häufigsten Auslöser Infekte der oberen Luftwege, speziell die Mittelohrentzündung, und Infektionskrankheiten wie Masern oder Röteln. In manchen Fällen tritt ein Fieberschock auch als Reaktion auf einen Impfstoff auf.

Wie sollte man sich nach Auftreten eines Fieberschocks verhalten?

Fieberanfälle sehen dramatisch und beängstigend aus, sind in den meisten Fällen jedoch harmlos und heilen ohne weitere Schäden aus. Dennoch ist es ratsam, nach jedem Anfall einen Arzt zu konsultieren bzw. ins Krankenhaus zu fahren. In einer gründlichen Untersuchung kann der Arzt meist schon die Diagnose stellen, ohne dass weitere Untersuchungen von Blut und EEG erforderlich wären. Eine genaue amnestische Befragung der Eltern ist hier überaus wichtig; typische Fragen beziehen sich auf die Länge und Häufigkeit des Anfalls / der Anfälle, etwaige Vorerkrankungen des Kindes und vererbbare Erkrankungen der Eltern. Wichtig ist es vor allem, dass eine Gehirnhautentzündung ausgeschlossen werden kann; im Zweifelsfall – wenn weitere Symptome in diese Richtung weisen – muss dafür eine Punktation des Rückenmarks vorgenommen werden. Nach einem komplexen Anfall wird das Kind für mindestens eine Nacht stationär aufgenommen, um eine genaue Überwachung sicherzustellen.

Auch zuhause können Eltern aktiv etwas gegen den Anfall unternehmen. Geeignet sind alle Methoden, mit denen die Temperatur gesenkt und die Fieber bedingte Reizung des Gehirns verringert wird. Fiebersenkende Zäpfchen und kalte Wadenwickeln, eventuell mit Essigwasser, gelten als Mittel der Wahl. Desweiteren sollte immer darauf geachtet werden, dass der Kopf des Kindes zur Seite gedreht wird. Zu enge Kleidung sollte immer gelockert werden. Keinesfalls dürfen Kinder während eines Anfalls festgehalten werden! Der Krampf muss abgewartet werden, erst danach dürfen Eltern eingreifen.
Kinder, die in der Vergangenheit bereits unter einem Anfall gelitten haben, bekommen vom Arzt meist Krampf mindernde Mikroeinläufe verschrieben. Diese Rektaltuben können von den Eltern im Bedarfsfall anal eingeführt werden.

Lässt sich ein Fieberschock verhindern?

Die Wahrscheinlichkeit für einen Anfall lässt sich zwar reduzieren, ganz verhindern lässt er sich jedoch nicht. Die einfachste Methode besteht darin, das Fieber von Haus aus möglichst gering zu halten – hierfür eignen sich fiebersenkende Medikamente, die spätestens ab einer rektal gemessenen Temperatur von 38,5 Grad eingesetzt werden. Nicht wirkungsvoll hingegen sind Medikamente gegen Epilepsie: Ein Fieberanfall unterliegt anderen neurologischen Ursachen als eine Epilepsie, weshalb die Medikamente in diesem Fall wirkungslos sind.

Muss jeder Betroffene sofort ärztlich begutachtet werden?

Im Regelfall empfiehlt es sich; allerdings gibt es auch vereinzelt Ausnahmen, bei denen vorerst abgewartet werden kann. Dazu zählen Kinder, die in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von Anfällen hatten, die leicht ausfielen und immer nur für kurze Zeit dauerten. In solchen Fällen – und wenn bereits ärztlich abgeklärt wurde, dass keine schwerwiegende organische Grunderkrankung vorliegt – können Eltern den Anfall auch abwarten. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es jedoch, auch leichte und kurze Anfälle routinemäßig kontrollieren zu lassen – und sei es auch nur um die Gewissheit zu haben, dass das Kind gesund ist.

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